Medienmitteilung: Bundesrat hält Pilzkontrollstellen für unnötig


(Medienmitteilung der VAPKO vom 17.5.2018)


In einer Interpellation hat Nationalrat Balthasar Glättli nach der Zukunft der Pilzkontrolle in der Schweiz gefragt. Die Antwort des Bundesrates ist klar: Er hält die Pilzkontrollstellen für unnötig.

In der Interpellation 18.3331 «Aufhebung der Pilzkontrollpflicht» vom 16.3.2018 hat Nationalrat Balthasar Glättli nachgefragt, wie der Bundesrat die Lage beurteilt. Seit der Revision des Lebensmittelgesetzes in den 90er Jahren besteht für die Kantone keine Pflicht mehr, Pilzkontrollstellen zu unterhalten. Dementsprechend haben seither mehrere Kantone ihre Kontrollstellen abgeschafft. Damit wurde den Pilzkontrolleur/innen und der VAPKO die rechtliche Grundlage entzogen.

Der Bundesrat appelliert in seiner am 9. Mai 2018 veröffentlichten Antwort an die Eigenverantwortung der Pilzsammler/innen. Er findet es unproblematisch, dass sich mehrere Kantone aus der Verantwortung gezogen haben. 

Die Antwort des Bundesrates ist für die VAPKO aus mehreren Gründen stossend:

1.      Die VAPKO findet, dass die Regelung der Eigenverantwortung bei den Pilzen nicht dem Risiko angemessen ist. Zumal besonders auch Kinder betroffen sind, kann die Eigenverantwortung nur beschränkt geltend gemacht werden.

2.      Die VAPKO erachtet die Einschätzung des Bundesrates, dass die Pilzkontrolle auch privat organisiert werden könne, als falsch. Dass er in seiner Antwort auf das Verzeichnis der aktiven Kontrollstellen der VAPKO hinweist, ist Beweis dafür: Im Verzeichnis gelistet sind eben jene Kontrollstellen, welche beibehalten wurden, sozusagen also noch das Überbleibsel der alten Pflicht sind. Eine Pilzkontrolle muss niederschwellig sein und für die Pilzsammler/innen kostenfrei, sie kann nicht kostendeckend betrieben werden. Dafür vermeidet sie grosse Kosten für das Gesundheitssystem. Die Anzahl der Kontrollstellen in der Schweiz sinkt.

3.      Dass der Bundesrat ein Merkblatt, welches er zum Thema Pilzsammeln aufschaltet, als genügend Prävention erachtet, erstaunt. Hunderte Anfragen beantwortet Tox Info Suisse jährlich zu Pilzen, das ist nur die Spitze des Eisbergs, da der grosse Teil durch das (noch) funktionierende Netz an Kontrollstellen aufgefangen wird. Tendenz steigend.

4.      Der Bundesrat erachtet das heutige System für Prävention und Behandlung von Pilzvergiftungen als ausreichend und verweist auf das Netzwerk an Expert/innen von Tox Info Suisse. Dieses Netzwerk besteht aus VAPKO-Pilzexpert/innen, denen die rechtliche Grundlage entzogen wurde. Bei der Argumentation des Bundesrates beisst sich hier die Katze in den Schwanz. In den letzten sieben Jahren wurden in etwa tausend Fällen von Tox-Info-Suisse Experten beigezogen, bei denen es sich ausnahmslos um VAPKO-Pilzkontrolleur/innen gehandelt hat.

Die VAPKO findet es stossend, dass der Bundesrat nicht wahrhaben will, dass er sich auf die vermeintliche Sicherheit eines Systems abstützt, dessen rechtliche Grundlage entzogen wurde. Sie wird sich weiterhin, im Sinne des Gesundheitsschutzes, für eine sichere Regelung einsetzen.


Kontakt:

Marionna Schlatter, Medienverantwortliche VAPKO: 076 571 46 86

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