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VAPKO Tagung 2017

Geballtes Pilzwissen in Eggiwil

Am letzten Wochenende führte die VAPKO (Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz) ihre Fachtagung in Eggiwil im Emmental durch. Rund 50 Pilzkontrolleurinnen und Pilzkontrolleure fanden sich ein, um sich bei einem Fachvortrag und Bestimmungsübungen weiter zu bilden.

Wer sich für Pilze interessiert, war gestern in Eggiwil im Emmental am richtigen Ort: Jährlich führt die VAPKO (siehe Kasten) Deutschschweiz eine Fachtagung durch. An dieser Fachtagung nehmen die Pilzkontrolleur/innen als Vertreter ihrer Gemeinden teil.

Der fachkundliche Teil am Samstag wurde durch einen Vortrag von Markus Wilhelm eröffnet. Der schweizweit bekannte Mykologe gilt als Experte für exotische Arten, nicht nur in fernen Ländern, die er gerne bereist, sondern auch hier in der Schweiz. Mit der Klimaerwärmung verändere sich auch die Pilzflora – gerade deshalb sei immer mehr möglich, auch in der Nähe Pilze zu finden, welche sich neu in der Schweiz ansiedelten. Für die Pilzfachfrauen und -männer gilt darum: Eine stetige Weiterbildung ist unabdingbar.

Pilzbestimmer bei der Arbeit Der Fachexperte will's genau wissen

 Bei den anschliessenden Bestimmungsübungen zeigte sich eine grosse Vielfalt mit über 200 bestimmten Arten. Es sei eine der stärksten Pilzsaisons der letzten zehn Jahre, wurde von vielen bestätigt. Neben dem angeregten Fachsimpeln blieb aber auch Raum für Persönliches – kennen sich doch die Fachfrauen und -männer oft schon seit Jahrzehnten.

Besprechung der Pilzbestimmungen

Am Sonntag führte Präsident Hugo Ritter durch die Generalversammlung. Die gute Pilzsaison hat nicht nur Sonnenseiten, wie die Vergiftungszahlen aus dem Tox-Zentrum zeigten, welche präsentiert wurden. Und je mehr Vergiftungen es gibt, umso wichtiger erscheint die Ausbildung dieser Fachfrauen und -männer, die bei Vergiftungsfällen oft unentgeltlich ihr grosses Wissen bereitstellen. Der Gemeindepräsident von Eggiwil, Niklaus Rüegsegger, betonte denn auch zu den guten Wünschen der Gemeinde den grossen Respekt vor allen Anwesenden, welche sich dieser Verantwortung annähmen.

  

Die VAPKO ist die Dachorganisation aller Pilzkontrolleur/innen in der Schweiz. Sie ist seit über 60 Jahren zuständig für die Organisation der Aus- und Weiterbildung für die Pilzfachleute. Auf der Website der VAPKO findet sich viel Nützliches rund um das Thema Pilze, wie zum Beispiel die Öffnungszeiten der verschiedenen Kontrollstellen.

 

 

Neue Kontrolleurinnen und Kontrolleure 2017

Den diesjährigen VAPKO-Kurs für angehende Pilzkontrolleurinnen und -kontrolleure haben 24 Kandidatinnen und Kandidaten erfolgreich abgeschlossen.

erfolgreiche Absolventen

Die VAPKO hofft, dass die meisten von ihnen die verantwortungsvolle Tätigkeit eines Pilzkontrolleurs in einer Gemeinde in Angriff nehmen und wünscht den Kontrolleurinnen und Kontrolleuren viel Spass und Freude beim Prüfen von Pilzen. Mit der Pilzkontrolle leisten sie alle einen wichtigen Beitrag zum Gesundheitsschutz für die Bevölkerung.

Nachfolgend die erfolgreichen Prüfungsabsolventen des VAPKO-Kurses 2017 am Plantahof in Landquart: 

 Pilzkontrolleurinnen und -kontrolleure        
Name Vorname PLZ Wohnort Kanton
 Aegerter  Ursula 3052  Zollikofen BE
 Biro  Anna 8700  Küsnacht ZH
 Brändle  Benno 9658  Wildhaus SG
 Brülhart  Benjamin 3184  Wünnewil FR
 Buser  Nathalie 8002  Zürich ZH
 Christener  Cornelia 8610   Uster ZH
 Del Popolo
 Franco 5612  Villmergen AG
 Engeler  Monika 8560  Märstetten TG
 Fallegger  Basil 3250
 Lyss BE
 Gubler  Irene 5040
 Schöftland AG
 Jäger  Bruno 8200
 Schaffhausen SH
 Kaeser  Benjamin 1792
 Cordast FR
 Mettler  Nicole 8239
 Dörflingen SH
 Rüdt  Roland 8404  Winterthur ZH
 Schär  Bruno  3400  Winterthur  ZH
 Scherrer  Erich 3313  Büren zum Hof BE
 Schiess  Philipp 4053  Basel BS
 Siegrist  Christine 5000  Aarau AG
 Tanner  Samuel 3110  Münsingen BE
 Tuchschmid  Doris 8564  Wagerswil TG
 Voney  Lisbeth 6212  Kaltbach LU
 Weber  Heinz 8200  Schaffhausen SH
 Winkler  Uwe D-78467  Konstanz -
 Wolfisberg  Eva 8820  Wädenswil ZH

 Oktober 2017 / Maria Neuhäusler

Pilzvergiftungen 2015 - Bericht von Tox Info Suisse

Pilzvergiftungen im 2015 - Bericht von Tox Info Suisse

Das unterdurchschnittliche Pilzvorkommen macht sich positiv bemerkbar

DR. MED. KATHARINA SCHENK-JÄGER

Obwohl regional sehr unterschiedlich ausgeprägt, ist das Jahr 2015 als mageres Pilzjahr in Erinnerung. So auch bei Tox Info Suisse, allerdings mit dem Unterschied, dass sich hier alle darüber freuen!

2015 wurden bei Tox Info Suisse insgesamt 605 Anfragen (2014: 702) zu Pilzen beantwortet. Das sind zirka 14% weniger Anfragen als im Jahr 2014. Bei 534 Anfragen (2014: 626) fanden auch wirklich Expositionen statt, wobei es bis zu 5 Anfragen von einem einzigen Patienten gab. Betroffen waren insgesamt 235 Erwachsene, 154 Kinder und 12 Tiere. Die restlichen 71 Anrufe betrafen Fragen zu Pilzen allgemeiner Natur wie Geniessbarkeit und Lagerung sowie Aufwärmen von Resten einer Pilzmahlzeit. Damit reiht sich das Pilzjahr 2015 als eines mit eher wenig Pilzvergiftungen ein, auch wenn es in der Vergangenheit Jahre mit noch geringeren Zahlen gegeben hat.

Die anschliessenden Grafiken verdeutlichen die statistischen Veränderungen. Die Zahlen wurden so korrigiert, dass Mehrfachanrufe nicht berücksichtigt wurden (daher tiefere Zahlen).

 

Abb. 1 Jahresverlauf im Vergelich zu 2014

Abb. 2 Differenz zu 2014

Abb. 3 Anrufe pro Kanton

Damit die Beratungen laufend verbessert werden können, sind ärztliche Anrufer gebeten, uns eine Rückmeldung zum Vergiftungsverlauf zukommen zu lassen. Bezüglich Pilzvergiftungen sind 2015 89 Rückmeldungen eingegangen. Dabei konnten 47 Ereignisse mit grosser Wahrscheinlichkeit einem Pilz zugeordnet werden. ln 20 Fällen sind keine Symptome aufgetreten. Es handelt sich dabei fast ausschliesslich um Kinderunfälle mit Pilzen aus dem Hausgarten.

Folgende Tabelle listet die Pilzarten und den Schweregrad der Vergiftung auf:

Einmal mehr hat sich auch im vergangenen Jahr die enge Zusammenarbeit mit den Notfallpilzexpertlnnen und PilzkontrolleurInnen sehr bewährt. Unterdessen ist das Netz von Fachleuten auch in der Romandie so dicht, dass diese Fälle sehr zügig beurteilt werden können. Ganz herzlichen Dank allen, die ihr Wissen und ihre Zeit zur Verfügung stellen!

Die Vergiftungsfälle des vergangenen Jahres waren insgesamt wenig spektakulär, alle Patienten haben sich bestens erholt. Bemerkenswert ist der Fall einer Amatoxinvergiftung, welcher auf einer ungewöhnlichen Verwechslung beruht. Die beiden Sammler waren auf der Suche nach Steinpilzen. Sie fanden Pilze, die kleinen Eiern ähnlich sahen, in ihren Augen aber Steinpilze waren. 11 Stunden nach der Mahlzeit setzten dann Brechdurchfälle ein, was die Sammler an ihrer Pilzbestimmung zweifeln liess. Bei Eintritt ins Spital wurde die Behandlung wegen Verdachts auf Phalloides-Syndrom begonnen. Dieser Verdacht konnte durch den Nachweis von Amatoxin im Urin bestätigt werden. Zum Glück haben sich alle Patienten vollständig erholt. Damit bleibt die Warnung vor dem Verzehr sehr junger Pilze, bei welchen die Merkmale noch nicht voll ausgebildet sind, aktueller denn je!

Amanita phalloïdes - Junger Fruchtkörper

Bereits seit anfangs 2015 präsentiert sich unsere Institution zur Feier unseres 50-jährigen Bestehens mit neuem Namen - Tox Info Suisse- und mit neuem Auftritt in den Medien. Neben der Webseite (www.toxinfo.ch) gibt es seit kurzem auch eine App für Smartphones. Wer mag, kann sich unsere App auf sein Smartphone laden und hat somit jederzeit einen direkten Draht zu Neuigkeiten auf unserem Gebiet oder, sollte es einmal ernst gelten, eine direkte Verbindung zur Telefonberatung!
Wir freuen uns auf regen Besuch unserer Webseite, wo wir neben Pilzigem auch allerlei Spannendes aus der Welt der Toxikologie aufgeschaltet haben. Unter «Giftinfos » sind zum Beispiel Kurzportraits der verschiedenen Pilzvergiftungssyndrome aufgeführt. Unterlagen zu Kinderunfällen mit Rasenpilzen und anderen Vergiftungsthemen können heruntergeladen werden.

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Tox lnfo Schweiz, gibt die Schweizerische Post eine Sonderbriefmarke heraus, die beim Postshop (www.postshop.ch) erhältlich ist. Diese Briefmarke zeigt sehr deutlich eine dramatische Situation, welche einen Anruf bei der Tox  Info Schweiz auslösen kann.