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VAPKO-Tagung 4/5. Oktober 2014)

Liliane Theurillat: Als engagierte Präsidentin der VAPKO-Region Deutschschweiz
trat sie nach zwölf Jahren an der GV in Muri 2014 zurück.

Foto: Jean-Claude Michel


Liebe Liliane

Du hast dich entschlossen, das Steuer des VAPKO-Schiffs in andere Hände zu geben. – Nun, mit dem heutigen Tag ist es leider soweit. Ich stehe hier mit einem lachenden und einem weinenden Auge, stellvertretend für uns alle hier. Weinend, da wir mit dir nicht nur eine sehr gute Präsidentin, sondern auch eine warmherzige Persönlichkeit verlieren. Lachend, da wir alle genau wissen, dass du jetzt nicht im stillen Kämmerlein versauerst, sondern noch vermehrt reisen wirst. Als vielseitige, interessierte und aufgeschlossene Persönlichkeit wirst du noch viel erleben.

Vor unserer ersten Begegnung als frisch gewählter Beisitzer respektive Vizepräsident erwartete ich in meiner Fantasie eine "gnädige Dame aus Bern", aus altem Patriziergeschlecht stammend, mit charismatischem, gewandtem Auftreten, ernstem Blick, sich ihrer Wirkung bewusst, mit raumfüllender Persönlichkeit. Auf meinem Weg zu meiner ersten Sitzung mit dir in Bern stellte ich mir dein Büro vor: ein grosser, wunderschön mit edlem Holz getäferter Saal mit altem, ebenso schönem echtem Parkett. An den Wänden die wertvollen Gemälde deiner Vorfahren und Edlen der Patriziergemeinschaft. An der Decke ein grosser, schwerer Kronleuchter, der gediegenes, warmes und edles Licht spendet. Und zu allerletzt hinten im grossen Saal ein grosses Mahagoni-Pult mit dem Berner und Schweizer Fähnlein darauf. Du sitzt dahinter in einem grossen, edlen geschnitzten Stuhl und schaust huldvoll zu uns armen Sitzungssündern hinab. Als Geschenk wollte ich dir ein Fläschchen Möbelpolitur mitbringen, aber leider hatte der von mir gewählte Laden geschlossen.

Was ich dann aber antraf, war ernüchternd. - Ein 08/15 Amts-Büro, spartanisch mit modernen, zweckmässigen Möbeln eingerichtet. Eine voll motivierte, gut vorbereitete und Kompetenz ausstrahlende Präsidentin erwartete uns, voll ausgerüstet mit Handy und Computer. Soviel zu Fantasie und Realität.

Ich möchte nun die letzten zwölf Jahre deiner Präsidentschaft Revue passieren lassen.

Dein Einstieg in dieses Amt wurde dir nicht leicht gemacht. Kaum warst du als Vizepräsidentin gewählt, wurdest du quasi über Nacht, ohne grosse „Einwärmzeit“, mit der Präsidentschaft konfrontiert. Du hast diese Herausforderung angenommen, dich der unbequemen Tatsache gestellt und dein Amt mit all den anstehenden, ungelösten Problemen übernommen. Stück für Stück hast du die Baustellen beseitigt. Für die machbaren Dinge, wenn sie der Sache der VAPKO gedient haben, hast du Energie, Diplomatie und wenn nötig auch Kampfgeist eingesetzt und so dir und der Sache Respekt und Anerkennung der Partner und auch der Gegner verschafft. Sei es bei Behörden, Ämtern, Medien oder Entscheidungsträgern. Dinge, die sich aus politischen, finanziellen oder anderen Gründen nicht umsetzen liessen, hast du nach Analyse der Fakten ohne zu zögern und effizient ad acta gelegt. Auch das war eine Stärke von dir.

Du hat eine turbulente Präsidentschaftszeit erlebt. – Die Gesetzesänderungen betreffend die Kontrolle der Handelspilze und des privaten Pilzsammel-Gutes, der Ausstieg aus der Ausbildungs-verantwortung des BAG, der direkte oder indirekte Auswirkungen auf die gesamte VAPKO hatte, beschäftigten dich stark. Zusammen mit dem VAPKO-Zentralrat, namentlich mit seinem Präsidenten Jean-Claude Michel und eurem juristischen Beirat Oswald Rohner, hast du damals nach mehreren, harten und unbequemen Sitzungen für die VAPKO einen Modus vivendi gefunden, der das Optimum des Möglichen bedeutet.

Ebenso hast du es im Zentralrat zusammen mit deinen Mitbeteiligten geschafft, für alle Regionen der VAPKO verbindliche Regelungen für die Prüfungen und für die Speise- und Giftpilzliste aufzustellen. Dies wirkte sich stärkend auf die VAPKO als anerkannte Ausbildungsstätte bei Behörden und Ämtern aus.

Du warst, zusammen mit dem Präsidenten des VSVP, Rolf Niggli, tatkräftig an der Verbesserung der Zusammenarbeit und Stärkung des gegenseitigen Vertrauens und Respektes zwischen VAPKO und VSVP beteiligt. - Wir hatten noch nie ein so gutes Einvernehmen mit dem VSVP wie heute.

Diverse Aktionen, wie zum Beispiel die Werbung für die Pilzkontrolle mittels einer gross angelegten Kartenaktion, um eine davon herauszunehmen, waren dir als umtriebige Präsidentin wichtig, und der Erfolg gab dir Recht. Ich erinnere mich noch, wie wir damals im Lagerraum der Druckerei die Karten versandbereit machten. Auf etlichen Paletten stapelten sich die Karten, und wir dachten, die Arbeit würde nie enden. Aber am Schluss waren wir glücklich und zufrieden und bereit, die Aktion zu starten.

Medienmässig hattest du eine Menge Arbeit. – In unzähligen Interviews in Zeitungen und Zeitschriften, im Radio und im Fernsehen hast du dich als mediengewandt und kompetent erwiesen. Auch dadurch hast du die VAPKO gestärkt.

Das Kurswesen lag dir immer am Herzen. Du hast die Instruktoren und die Kursleitung wenn nötig immer unterstützt. Durch deine freiwillige Anwesenheit bei den Instruktoren-Sitzungen hast Du den Instruktorinnen und Instruktoren deinen Respekt und deine Anerkennung für ihre Arbeit gezollt und bekräftigt.

Als ich, um auch deine Zeit vor meiner Vizepräsidentschaft zu ergründen, ehemalige und aktuelle Vorstandsmitglieder und andere Mitstreiterinnen und Mitstreiter befragte, hörte ich unisono: angenehm in der Zusammenarbeit, effizient, gut organisiert, gut vorbereitet, sachlich, sozial- und wissens-kompetent und „keine Quotenfrau“.

Du hast das Antlitz der VAPKO geprägt, ihr Profil gestärkt und sie zu dem gemacht, was sie heute ist. Du hinterlässt deinem Nachfolger keine Baustellen, sondern eine geordnete Organisation, welche die kommenden Herausforderungen annehmen kann. Dafür sind wir dir sehr dankbar.

Du trittst jetzt zwar als Präsidentin zurück. Aber du bist und bleibst für immer unsere Ehrenpräsidentin!

Muri, 5. Oktober 2014

Hugo Ritter

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