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Pilzvergiftungen bleiben hoch

Das Pilzjahr 2011 aus der Sicht des Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrums
med. pract. Katharina Schenk-Jäger

2011 hat das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum eine neue Rekordzahl an Anfragen bewältigt. Erstmals wurde die 35'000-Marke geknackt. Insgesamt wurden 35'568 Beratungen durchgeführt, was einer Zunahme von 14% seit 2006 entspricht. Die Anfragen zu Pilzen sind mit 722 Anrufen und Emails nur unbedeutend weniger geworden (2010: 733 Anfragen). Der prozentuale Anteil zur Gesamtanzahl Beratungen bleibt in etwa konstant bei ca. 2%. Von den insgesamt 722 Beratungen betrafen 101 Anfragen theoretische Fragen. Diese Anfragen sind vor allem dann wichtig, wenn sie vor einer Vergiftung in der Zukunft schützen, wenn zum Beispiel nach der nächstgelegenen Pilzkontrollstelle gefragt wird. 621 Anrufe betrafen 476 menschliche Patienten und 19 Tiere, darunter Hunde, Katzen, Esel, Pferde und eine Schildkröte. Die Anzahl Beratungen im Jahresverlauf hat die saisonalen Schwankungen gut abgebildet, der Einbruch an Pilzvorkommen im September hat sich ebenfalls in der Anfragestatistik niedergeschlagen.

Insgesamt gingen 85 ärztliche Rückmeldungen ein, bei denen ein direkter Zusammenhang zwischen Pilzmahlzeit und Symptomen hergestellt werden konnte (im Vorjahr 77). Nur in einem einzigen Fall wurde eine Patientin positiv auf Amatoxine getestet. Da zuvor schon der Pilzkontrolleur in den Rüstabfällen Amanita virosa gefunden hatte, stellte dieses Resultat die Bestätigung des bekannten Befundes dar. Die Symptomatik der Patientin war derart typisch für ein Phalloides-Syndrom, dass bereits vor dem Erhalt der Resultate mit der Behandlung begonnen wurde. Wie es gelegentlich vorkommt, stellte sich auch in diesem Fall die Betroffene erst viele Stunden nach der Mahlzeit im Spital vor, nachdem die erste Phase der heftigen Brechdurchfälle bereits überstanden war und sich bereits Zeichen des Leberversagens bemerkbar machten. Die unverzügliche Behandlung mit Aktivkohle, Silibinin (Gegengift) und leberschützenden Medikamenten ist (über-) lebenswichtig. Dank dieser intensivmedizinischen Behandlung konnte die Patientin gerettet werden. Somit hat sich der Trend in Richtung einer Zunahme der Vergiftungen mit amatoxinhaltigen Pilzen (Amanita phalloides, A. virosa, A. verna, Galerina marginata, Lepiota sp.) wie er sich in den letzten Jahren abgezeichnet hatte zum Glück vorläufig nicht fortgesetzt. (vgl. Jahresbericht 2010 SZP 3/2011) Wachsames Beobachten ist aber angebracht!
In der Übersicht eine Liste der Pilzarten, welche zu Vergiftungssymptomen und demzufolge zu Arztkonsultationen geführt haben:

 

Rasenpilze

Auch im vergangenen Jahr waren abenteuerlustige Kinder in den Gärten und Wiesen unterwegs. 119 Anfragen zu Rasenpilzen betrafen Kinder, in fünf Fällen waren Tiere betroffen. Insgesamt wurden 93 „Rasenpilz“-Patienten registriert. In 25 Fällen konnte mittels Pilzkontrolleur, resp. Notfallpilzexperten die Pilzart identifiziert werden und in den meisten Fällen Entwarnung gegeben werden. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Anfragen zu Kinderunfällen leicht zugenommen. Insgesamt wurden 35 Kontrolleurenberichte erfasst, davon konnten 25 mit Anfragen im STIZ verknüpft werden. So fliessen wichtige Angaben zum Beispiel zur Pilzart in die Datenbank ein, sodass die Qualität der Daten verbessert werden kann. Allen Kontrolleurinnen und Kontrolleuren sei für die vorzügliche Arbeit auf und ausserhalb der Kontrollstellen herzlich gedankt!

 

 

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