Druckversion  

Die Milchlinge (2)

Xanders 32. Pilzbrief

 

Lieber Jörg,

Recht viele Milchlinge sind Laubwaldbewohner, vorzüglich im Buchenwald (Fagus silvatica) auf Kalk. Ich stelle Dir darum zunächst einige charakteristische und häufig vorkommende Buchenbegleiter vor.

Bild 01
Der Graugrüne Milchling - Lactarius blennius, ist ein schmieriger Pilz mit graugrünem bis bräunlichem Hut, der durch Leberflecken gezont erscheint. Er hat scharfe, weisse Milch, weIche an den Lamellen olivgraue Flecken hinterlässt. Obwohl er einige Doppelgänger hat, wirst Du diesen Pilz aber sofort an den fast reinweissen Lamellen von ähnlichen Arten unterscheiden können.
-
Der Blassrandige Milchling - Lactarius fluens hat einen deutlich gezonten Hut und besitzt im Gegensatz zu L. blennius einen weisslichen Hutrand; aber die Lamellen erscheinen cremeockerlich. Die ebenfalls scharfe, weisse Milch färbt die Lamellen rotbräunlich.
Bild 02
Eine relativ häufige Art im Laubwald ist der vielfach verkannte Süssliche Milchling - Lactarius subdulcis, ein stumpf rotbrauner Pilz mit trockenem Hut und veränderlicher cremegelber, milder Milch. Typisch sind der grob gerippte Hutrand, die markant weisslich oder braune striegelige Stielbasis und der unangenehme Geruch nach Blattwanzen.
Bild 03
Den gleichen Geruch findest Du bei einer ähnlichen Art, die häufig vorkommt und streng an Eichen gebunden ist, nämlich beim Eichenreizker - Lactarius quietus, einer matten, rotbraunen Art mit oft etwas gezontem Hut. Die scharfe Milch erscheint auf einem Papiertaschentuch cremegelb.
-
Im Buchenwald der Kalkgebiete wirst Du sicher auch auf den auffallenden Orangefuchsigen Milchling - Lactarius ichoratus stossen, ein trichterig aufschirmender Pilz mit trockener, netzaderiger Hutoberfläche. Die weisse, im Rachen kratzende Milch ist unveränderlich. Diese Art erkennst Du an den im Alter rotbraunfleckig werdenden, deutlich herablaufenden Lamellen, eine ähnliche Rostfleckung, wie Du sie bei den braunhütigen Ritterlingen beobachten kannst.
Bild 04
Im jungen Stadium fast zum Verwechseln ähnlich ist der kleinere, mit regelmässig rundem, lebhaft orangebraunem Hut, der Milde Milchling - Lactarius mitissimus mit reichlich weisser, aber milder, unveränderlicher Milch. Die gerade angewachsenen Lamellen werden nicht fleckig. Sein Standort ist mehrheitlich der Gebirgsnadelwald.

 

Auch zwei violettmilchende Arten möchte ich Dir vorstellen:

-
Der Ungezante Violettmilchling - Lactarius uvidus. Dieser sehr schmierige, mittelgrosse Pilz ist blass beige bis lilaockerbraun. Sowohl Lamellen als auch der Stiel färben bei Druck violett. Auch im Schnitt läuft das scharfe Fleisch an und zeigt bald violettliche Töne. Bei Birken und Weiden an feuchten Waldstellen findest Du diesen nicht häufigen Pilz.
-
Viel kräftiger und grösser erscheint der Violettmilchende Zottenreizker - Lactarius repraesentaneus, ein Pilz, der in Habitus und Farbe stark an den Grubigen Milchling - Lactarius scrobiculatus erinnert. Doch besitzt er einen kurzzottigen Rand. Im Schnitt färbt das etwas bittere Fleisch aber langsam violett. Diese Art liebt kalkarmen Boden sowie Fichten- und Birkenwälder in höheren Lagen.

 

Sicher hast Du in der Zwischenzeit den Blauenden Täubling, Russula delica kennengelernt. Bei den hartfleischigen weissen Milchlingen der Sektion Albati scheinen da nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu bestehen, so dass man Mühe hat, die Pilzarten zu trennen und nur die ausfliessende Milch den Lactarius verrät.

Bild 05
Ich denke hier an den grossen, derben, sehr kurzstieligen Wolligen Milchling - Lactarius vellereus mit dem wildlederartigen, matten Hutüberzug und den dicken, deutlich entfernt stehenden Lamellen und einer scharfen, weissen, unveränderlichen Milch. Dieser auch bei ungünstigem Pilzwetter wachsende Pilz ist vorwiegend ein Laubwaldbewohner.
Bild 06
Im Gegensatz dazu besitzt der weisse Langstielige Pfeffermilchling - Lactarius piperatus sehr gedrängte, herablaufende Lamellen und einen langen, gegen die Basis verjüngten Stiel. Das harte Fleisch gibt eine weisse, scharfe und unveränderliche Milch ab.

 

Am Ende meines Briefes stelle ich dir noch drei «populäre» Milchlinge vor:

Bild 07
Der Mohrenkopf - Lactarius lignyotus gilt als guter Speisepilz. Er gehört in die Sektion «Fuliginosi», meist russ- bis schwarzbraune Pilze mit trockenem, mattem, teilweise gegen die Mitte runzelig zusammengezogenem Hut und ockerfarbigen Sporenstaub. Alle Arten dieser Sektion besitzen eine weisse Milch, die an der Luft mehr oder weniger intensiv lachsrosa bis rötlich braun verfärbt. Je nach Art schmeckt die Milch mild, kratzend im Hals oder brennend scharf. Die Milch unseres Mohrenkopfs ist mild, und das Fleisch rötet nur schwach und langsam. Diese Art ist gut gekennzeichnet durch den schwarzbraunen mit Papille versehenen Hut und den mit Zahn herablaufenden Lamellen, die an der Stielspitze eine auffallende Rillierung vortäuschen. Er ist die einzige Art dieser Sektion mit weissen Lamellen. Du wirst diesen Pilz in Bergnadelwäldern finden und auch auf saurem Boden, wo Heidelbeeren wachsen.
Bild 08
Ein weiter bekannter Pilz ist der Bruchreizker - Lactarius helvus, nach dem intensiven Geruch nach Cumarin auch Maggipilz benannt. Die Sektion «Coloroti», welcher er zugeteilt ist, weist Pilze mit trockenem, fast schorfigem Hutüberzug auf. Der Maggipilz gibt eine wässerige, nur spärlich fliessende Milch ab. Er steht mit Vorliebe in Moorgebieten bei Birken und Föhren. Es ist wenig bekannt, dass dieser schöne rotbraune Pilz mit ockerfarbigen Lamellen nach der Literatur giftig ist.
Bild 09
Schlussendlich erzähle ich Dir vom als Bratpilz begehrten Brätling - Lactarius volemus. Dieser derbe, fleischige und orangebraune Pilz riecht stark nach Hering. Die weisse Milch färbt die Lamellen braun, wie auch die Hände beim Rüsten. Die Hutdeckschicht besteht aus Huthautzystiden, die unter dem Mikroskop sehr auffallen, was dem Pilz ein samtiges Aussehen verleiht. Bei Verletzung tropft die Milch so reichlich, dass man ihn im Welsch land treffend als «WaIdkuh» bezeichnet.

 

Damit will ich das Kapitel «Täublinge und Milchlinge» abschliessen. Ich hoffe, meine sechs Briefe zu diesem Thema haben Dir bei der Bestimmung geholfen und Dein Interesse geweckt, und Du habest die Angst vor der Ordnung Russulales, die so anders ist als die übrigen Blätterpilze, verloren.

Bis auf bald

Dein Xander

 

1. Lactarius blennius
2. Lactarius subdulcis
3. Lactarius quietus
4. Lactarius mitissimus
5. Lactarius vellereus
6. Lactarius piperatus
7. Lactarius lignyotus
8. Lactarius helvus
 
9. Lactarius volemus
×