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Das Kreuz mit den Täublingen- zweiter Teil Gelbe und rote Arten

Xanders 19. Brief

Lieber Jörg,

Wie versprochen stelle ich Dir hier einige Täublingsarten vor. Sie sind ähnlich, und darum verwechselbar. So erlebst Du jetzt die Probleme, die sich beim Bestimmen der Arten dieser Gattung stellen.

Täublinge sind schöne Pilze; viele zeichnen sich durch lebhafte gelbe, rote, grüne oder braune Töne aus. Andere weisen Mischfarben auf, was die Bestimmung natürlich erheblich erschwert.

Mehr als ein Dutzend Arten mit gelblichen Farbtönen kommen bei uns vor. Hier sind die Steckbriefe von vier häufigen:

Sehr anspruchslos ist der Zitronentäubling - auch Gelbweisser- oder Ockertäubling (Russula ochroleuca) genannt - kommt er doch in oberflächenversauerten Nadel-, aber auch in sauren Laubwäldern in grossen Mengen vor. Irgendwie gelb ist er immer; es kann dies aber zitronengelb, ockergelb, goldgelb, hellgelb oder aber auch olivgrüngelb sein. Die Lamellen heben sich von der Hutfarbe gut ab: sie sind reinweiss und bleiben es auch. Dieselbe Farbe weisen die Sporen auf; der Pilz ist also ein Weisssporer. Vergiss die Zungenprobe nicht! Das Fleisch ist mässig bis richtiggehend scharf, aber fast geruchlos.

Ähnlich kann der Gallentäubling (Russula fellea) aussehen, der einen ziemlich einheitlich gelbockerbräunlichen Hut aufweist. Wichtiges Kennzeichen: Der Hutrand ist kurz grob höckerig gerieft. Lamellen und Stiel sind dem Hut praktisch gleichfarbig. Der Pilz ist ein Hellockersporer, und Du findest ihn im Buchenwald. Zungenprobe auch hier: sehr scharf und bitter noch dazu. Typisch ist auch sein Geruch nach Geranienblättern.

Der Stinktäubling (Russula foetens) verdient seinen Namen vollauf, hat der Pilz doch einen widerlich süsslich-ranzigen Geruch. Dazu passt sein Geschmack: brennend scharf. Dem Gallentäubling ist er zwar ähnlich, aber ein bisschen grösser und derber, dazu ist der Hut schmierig-klebrig und schmutzig ockerbräunlich gefärbt. Auch sein Rand ist breit kammförmig höckerig gerieft. Lamellen und Stiel sind schmutzig weisslich. Diese Art wirst Du in feuchten Partien von Laub- und Nadelwäldern finden.

Meist im Moor entdeckt man einen auffallend reingelb gefärbten Täubling bei Birken oder seltener bei Espen, den Gelben Graustieltäubling, Russula claroflava Grove. Ein charakteristisches Merkmal sind die mit zunehmendem Alter sich grauschwarz verfärbenden Lamellen, was beim Stiel ebenfalls zu beobachten ist. Die Lamellen sind im reifen Zustand schön buttergelb, was für einen Hellockersporer spricht. Das Fleisch ist mild und fast geruchlos. Die gleichen Merkmale hat übrigens sein Bruder, der Orangerote Graustieltäubling , Russula decolorans (Fr.) Fr., der aber einen orangegelblichen bis orangeroten Hut besitzt und in sauren Fichtenwäldern zwischen Heidelbeeren vorkommt, seltener auch unter Kiefern.

Rothütige Russula-Arten, die sich auf den ersten Blick sehr ähneln, findest du in zahlreichen Arten und Varietäten. Ein breites Spektrum von rosa über orangerot, leuchtend scharlach, zinnoberrot bis karmin und dunkelrot erheischen eine genaue Beobachtung der Merkmale.

Bei einigen Arten verblassen die roten Farbstoffe mit zunehmendem Alter, vor allem bei Arten, die im Gebirge wachsen. Eine Zungenprobe ist unumgänglich, um die scharfen von den milden Arten zu trennen.

Eine häufige rote Art ist wohl der Gedrungene Buchen-Speitäubling , Russula mairei Sing., der ein Buchenbegleiter ist. Dieser leuchtend zinnoberrote, scharfschmeckende Weisssporer ist im Vergleich mit anderen Täublingen eher festfleischig und wenig gebrechlich. Die Huthaut lässt sich gut abziehen und das darunter liegende Fleisch ist rot angefärbt. Den gleichen Standort und gleiche Merkmale besitzt der nahe verwandte Langstielige Buchen-Speitäubling, Russula fageticola (Melz.) Lund., der aber einen längeren, etwas aufgeblasenen Stiel besitzt. Recht ähnlich präsentiert sich in der Farbe der Kirschrote Speitäubling, Russula emetica (Schaeff.) Pers. Dieser ebenfalls sehr scharfe Weisssporer besitzt aber unter der Huthaut reinweisses Fleisch und ist in Mooren in Torfmoos (Sphagnum) bei Nadelbäumen anzutreffen.

Einen ganz ähnlichen Farbton besitzt der Zinnoberrote Täubling, Russula lepida (Fr.) Fr., der aber gegensätzliche Merkmale aufweist: Ein hartfleischiger Crèmesporer mit einer samtigen, matten Huthaut, die nicht abziehbar ist. Das Fleisch ist mild, zuweilen etwas bitter mit schwachem Mentholgeruch. Der Stiel ist oft zinnoberrot überlaufen. Man findet diese Art in mässig trockenen Buchenwäldern, mit Vorliebe für etwas saure Böden. Mit diesem Pilz wird der Netzflockige Rosatäubling, auch Morgenrot-Täubling genannt, Russula aurora Krombh., häufig verwechselt. Dieser ist aber ein weichfleischiger, gebrechlicher Pilz mit meist nach ockerlich ausblassenden roten Farben. Dazu besitzt er einen weissen, mit netzflockiger Spitze versehenen Stiel. Er ist ein Buchenbegleiter, der selten auch im Nadelwald zu finden ist. Dieser Hellcrèmesporer schmeckt mild.

In der Reihe der roten Täublinge seien noch zwei dunkelrote Arten erwähnt, die gerne verwechselt werden, nämlich der Nadelwald-Heringstäubling, Russula xerampelina (Schaeff.) Fr. und der Apfeltäubling, Russula paludosa Britz. Während der erstere bei Fichten, vor allem in höheren Lagen zu finden ist, einen typischen, fischartigen Geruch besitzt und beim Berühren oder im Alter stark bräunt und sattockerfarbigen Sporenstaub aufweist, wächst der andere auf moorigem, saurem Grund zwischen Moos und Heidelbeeren in feuchten Nadelwäldern. Dieser Hellockersporer schmeckt ebenfalls mild. Die Huthaut glänzt und ist in einem warmen, fast bräunlichen Rot gehalten, während der Heringstäubling matt ist und eine fast schwarzrote Hutmitte besitzt. Beide Arten schmecken mild.

Diese Beispiele, von denen ich noch viele mehr aufzählen könnte, zeigen Dir deutlich, wie wichtig es ist, meine Bestimmungsratschläge des letzten Briefes zu beherzigen. Ein schnell benannter Täubling ist meistens falsch bestimmt!

Mit besten Grüssen

Dein Xander