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Xanders
fünfundzwanzigster Brief
Lieber Jörg,
Wie im letzten Brief
versprochen, möchte ich Dir Täublinge vorstellen,
die in der gleichen Art mit verschiedener Farbe vorkommen
können. Dass dabei Schwierigkeiten beim Bestimmen entstehen,
liegt auf der Hand.
Der
Rotstielige Ledertäubling, Russula
olivocea (Schaeff.) Pers., ist ein milder Dottersporer,
von kräftigem Wuchs, mit Hutdurchmesser bis zu 20 cm,
der in Buchenwäldern auf Kalk, aber auch in oberflächenversauerten
Nadelwäldern vorkommt. Diesen Pilz findet man in karminroten
Farben, aber auch in grünen Tönen, oder es sind
die beiden Farben vermischt. In allen Fällen erscheint
der Hut matt und bereift. Ein gutes Merkmal bei den karminroten
Exemplaren, in denen der rote Farbstoff reichlich ausgebildet
ist, sind die vom Hutrand her schön rot gesäumten
Lamellenschneiden; der Stiel ist dabei ebenfalls karmin überhaucht.
Dieser derbfleischige Pilz ist mit Vorsicht zu geniessen.
Er ist roh giftig und hat deshalb schon zu Vergiftungsfälle
geführt . Er muss vor dem Konsum mindestens 20 Minuten
gekocht werden. Ebenfalls an der Nase herumführen
kann uns der Lederstiel- oder Mohntäubling, Russula
viscida Kudrna. Er ist mit seiner kräftigen Erscheinung
der R. olivocea ähnlich. Sein ebenfalls hartfleischiger,
aber glänzender und leicht klebriger Hut besitzt weinbraune,
stumpf rötliche, ockerlich ausblassende Farbtöne.
Er erinnert mit seinem wolkigen Pigment an verwaschenes Blut.
Es können aber auch grünliche und ockergelbliche
Exemplare gefunden werden, die keinen roten Farbstoff enthalten.
Ein wichtiges Merkmal ist die kaum abziehbare Huthaut und
ein deutliches Bräunen des dicken Stiels. Die hellen,
mit einem grünlichen Stich versehenen Lamellen werden
bald rostfleckig. Das Fleisch ist teils leicht, teils deutlich
scharf. Standort ist der Gebirgsnadelwald auf Kalk, seltener
auf Gneis.
Ein
schöner, aber giftiger Täubling wächst im Kiefernwald,
mit Vorliebe auf saurem Boden, der Zitronenblättrige
Täubling, Russula drimeia Cooke (=
sardonia). Hut und Stiel dieses brennend scharfen
Pilzes erscheinen in purpurvioletten Farbtönen. Das unter
der Huthaut zitronengelbe Fleisch und die ebenfalls im jungen
Zustand hell zitron scheinenden Lamellenschneiden, Eigenschaften,
die keine andere Täublingsart besitzt, kennzeichnen diesen
Pilz klar. Kopfzerbrechen bereitet dieser Pilz, wenn er in
honiggelben Farben (var. mellino Melz.), oder gar
in grüner Tracht erscheint (var. viridis Sing.).
Unsere beiden Speisetäublinge,
der Grüne Speisetäubling, Russula
heterophyllo (Fr.) Fr. und der Fleischrote Speisetäubling,
Russula vesca Fr.,
sind oft nicht leicht zu unterscheiden, da beide den gleichen
Habitus und ähnliche Merkmale besitzen. Auch findet man
sie in den beiden Farbtönen: grünlich oder rosabräunlich
. Beide Arten haben einen hartfleischigen, an der Basis verjüngten
Stiel und die typischen Rostflecken mit zunehmendem Alter.
Auch weisser Sporenstaub ist beiden Arten eigen. Augenfällige
Merkmale, die sie trennen, sind folgende: R. heterophylla:
in der Mehrheit grünlich, beim Lamellenansatz am
Stiel starke Anastomosen und Vergabelungen. Der Standort sind
lichte warme Laubwälder, vor allem bei Eichen. R.
vesca: meistens rosabräunlich, die Huthaut überdeckt
charakteristisch den Rand nicht, so dass der Lamellenansatz
sichtbar ist (Minirock!). Im Standort ist diese Art weniger
wählerisch. Sie kommt in fast allen Böden der Laub-
und Nadelwälder vor. In unseren Gegenden ist dieser Pilz
deutlich häufiger.
Zum
Schluss möchte ich Dir die Sektion Compacta, die Weiss-
und Schwarztäublinge vorstellen, die sich von den übrigen
Russulae durch ausgeprägte Hartfleischigkeit, meist derben
Habitus und das Fehlen freudiger Farben unterscheiden. Bei
makroskopischer Bestimmung dieser Gruppe ist es sehr wichtig
festzustellen, ob das Fleisch des Pilzes bei Verletzung unverändert
bleibt, oder aber rötet und hernach schwärzt, oder
sofort schwarz anläuft. Ich möchte vier, mehr oder
weniger häufige Arten beschreiben, die ohne Mikroskop
bestimmbar sind:
Der
Dickblättrige oder Kohlige Schwarztäubling,
Russula nigricans Fr.,
welcher zuerst weisslich, dann umbrabraun gefärbt ist,
kann bis zu 20 cm Durchmesser erreichen. Die dicken, sehr
entfernt stehenden Lamellen kennzeichnen diese Art. Im Schnitt
rötet das Fleisch deutlich, bevor es hernach schwärzt.
Dieser im Standort nicht wählerische Pilz kommt im Laub-
und Nadelwald häufig vor. Der Dichtblättrige
Schwarztäubling, Russula
densifolia Gill., sein Name
sagt es, unterscheidet sich von R. nigricans durch
sehr gedrängte und dünne Lamellen. Der etwas kleinere
Pilz rötet im Fleisch recht langsam, um dann grau anzulaufen.
Eine leichte Schärfe ist bei der Zungenprobe festzustellen.
Dieser in der Farbe ähnliche, doch hellere Pilz liebt
einen sauren Boden und kommt in Laub- und Nadelwäldern
an feuchten Stellen, ja selbst im Moor vor.
Der
Menthol-Schwarztäubling oder Schwarzanlaufende
Kohlentäubling, Russula albonigra (Krombh.)
Fr., ist jung ein weisslicher Pilz, welcher schwarzfleckig
wird. Fleisch und Lamellen werden bei Verletzung innert 2-3
Minuten pechschwarz. Ein leicht bitterer, etwas mentholartiger
Geschmack ist typisch. Diesen nicht häufig gefundenen
Täubling mit elfenbeinweissen Lamellen beobachtet man
im Gebirgsnadelwald oder bei Buchen.
In
verschiedenen Arten kommen die Weisstäublinge vor, welche
doch nur mit dem Mikroskop sicher zu bestimmen sind. Eine
häufige Art, die auch makroskopisch zu bestimmen ist,
finden wir im Blauenden Weisstäubling, Russula
delica Fr., eine kurzstielige, kräftige Art mit
deutlich trichterförmigem Hut, dessen Rand lange eingerollt
bleibt. Die cremeweissen Lamellen stehen entfernt. Das harte,
spröde, weisse Fleisch bleibt bei Verletzungen unveränderlich
und riecht im Alter leicht fischartig. Den Namen erhielt diese
Art wegen einem leicht bläulichen Farbton in den Lamellen.
Im Extremfall ist die Stielspitze beim Lamellenansatz schön
hellblau gefärbt; und das Blau kann auch in die Lamellenschneide
überlaufen. Vor allem bei Laubbäumen auf Kalkboden
trifft man diesen Pilz öfters an.
Mit
diesem Brief möchte ich das Kapitel Täublinge abschliessen.
Beherzige meine Ratschläge für die Bestimmung. Präge
Dir die artspezifischen Merkmale und Standortsansprüche
gut ein. So wird Dir die Arbeit an den Täublingen Freude
bereiten und damit der Wunsch aufkommen, tiefer in dieses
vielfältige Gebiet einzudringen.
Mit
den besten Grüssen
Dein
Xander
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Russula olivacea / Rotstieliger
Ledertäubling |
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Russula vesca / Fleischroter
Speisetäubling |
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Russula nigricans / Dickblättriger
oder Kohliger Schwarztäubling |
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Russula densifolia / Dichtblättrige
Schwarztäubling |
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