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Xanders
vierundzwangsigster Brief
Lieber Jörg,
Das
interessante Thema Täublinge weiter verfolgend, möchte
ich Dir noch einige ähnliche und daher verwechselbare
Täublinge in grünen wie auch in braunen Farbtönen
vorstellen. Wohl die bekannteste grünliche
Art ist der Frauentäubling, Russula
cyanoxantha (Schaeff.) Fr., welcher hauptsächlich
im Eichen- und Buchenwald zu finden ist. Er ist eine der ganz
wenigen Russula-Arten, die weiche, biegsame und nicht brüchige
Lamellen besitzt. Dieser recht derbe Weisssporer kommt in
verschiedenen Mischfarbtönen zwischen grün, violett,
lila und schiefergrau vor. Eine reingrüne Form mit teilweise
gegabelten Lamellen bildet der Grüne Frauentäubling,
R. cyanoxantha, forma peltereau; Sing. Mit
ähnlichen Mischfarben erscheint der Grauviolette
Täubling, Russula grisea Fr. Diese
Art besitzt aber brüchige und cremeockerfar bige Lamellen.
Er schmeckt ebenfalls mild, zeigt aber an den Frassstellen
und unter der Huthaut lilarosa Farbtöne. Der Standort
ist der gleiche wie beim Frauentäubling. Deutlich unterscheidet
sich der Grünfelderige Täubling, Russula
virescens (Schaeff.) Fr. Seine fast span grün
und bereifte Huthaut ist auffällig felderig aufgerissen.
Dieser milde Weisssporer ist hart fleischig und wächst
im Laubwald, mit Vorliebe auf Silikatböden. Im Gegensatz
dazu ist der Grasgrüne Täubling, Russula
aeruginea Lindbi. mit einer glänzenden, leicht klebrigen,
fein genetzten und zur Hälfte ablösbaren Huthaut
versehen. Der Name «grasgrün» ist sicher
übertrieben. Er erscheint in einem blassen Lindengrün,
das vielfach mit graulichen Tönen vermischt ist. Der
Sporenstaub ist creme-hell-ocker. Auf der Zunge schmeckt er
leicht, aber deutlich scharf. Dieser in unserer Gegend eher
seltene Pilz liebt sauren Boden und ist ein Birkenbegleiter.
Bei
den braunen
und rotbraunen
Täublingen kommen infolge Verwechslungen viele Fehlbestimmungen
vor. Bei diesen Pilzen ist es erstrangig, Geruch und Geschmack
festzustellen, da verschiedene Arten in Farbe und Habitus
einander verblüffend ähnlich sein können. Eine
der häufigsten braunen Arten ist wohl der Schmierige
oder Braune Ledertäubling, Russula integra
(Linne) Fr. ss. R. Maire. Dieser milde Dottersporer besitzt
einen schmierigen, glänzenden, braunen bis purpurbraunen
Hut, vielfach am Scheitel olivlich gefärbt. Der Hutrand
ist deutlich höckerig gerieft. Diese formenreiche, weissstielige
Art kann mitunter hellolivbraun oder purpurbraun sein. Der
Standort ist Nadelwald auf Kalk, sowohl in der Ebene als auch
im Gebirge. In sehr ähnlichen Farben erscheint ein Giftpilz,
der Zedernholz-Täubling, Russula
badia Quel. Dieser brennend scharfe Sattockersporer besitzt
in den Lamellen einen ähnlichen Farbton wie R. integra,
hat aber oft im Gegensatz einen rosa überhauchten
Stiel und kommt ebenfalls im Nadelwald vor, jedoch mit Vorliebe
auf saurem Boden. Für eine makroskopische Bestimmmung
nehme man die Nase zu Hilfe. Ein ganz charakteristischer Geruch
nach Zedernöl oder Bleistiftholz, oft ähnlich dem
würzigen Geruch des Thujabaumes, kennzeichnet diese Art
sicher. Mit dem Schmierigen Ledertäubling wird oft auch
der Scharfe Glanztäubling, Russula
firmula J.Schaeff. verwechselt. Sein Standort ist ebenfalls
Nadelwald auf Kalk und zwar im Gebirge. In der Farbe wechselt
er von weinbraun, bläulichgraubraun bis zu braun mit
oliv verblassender Mitte. Dieser fast geruchlose Pilz hat
brennend scharfes Fleisch und dotterfarbigen Sporenstaub,
was die Lamellen orangeocker, also dunkler als bei R.
integra färbt.
Zwei
Arten der «Braunen» machen weniger Kopfzerbrechen,
da sie im Vergleich zu vielen andern Täublingen recht
konstante Hutfarben aufweisen.
Der
Buckeltäubling, Russula amara
Kucera (=caerulea) erscheint in einem für diese
Art typischen Violettbraun,
mit glänzendem Hut, versehen mit einem deutlichen stumpfen
Buckel, den man bei keinem andern Täubling findet. Das
weisse Fleisch schmeckt mild, doch die Huthaut ist bitter!
Die Lamellen zeigen ein warmes Buttergelb, was hellgelben
Sporenstaub verrät. In Kiefernwäldern auf saurem
Boden kann man diesen schönen Pilz finden. Ebenfalls
gut zu erkennen ist ein als Speisepilz oft gesuchter brauner
Täubling, der Wieseltäubling, Russula
mustelina Fr. Der grosse, derbe und hartfleischige Pilz
hat mit seinem steinpilzähnlichen Braun gar manchen Pilzsammler
genarrt! In Gebirgsnadelwäldern auf Urgestein wächst
dieser Hellcremesporer. Ein gutes Merkmal sind seine cremegelben,
bauchigen und vor allem an der Schneide rost-fleckigen Lamellen
sowie der gedrungene, dicke und harte Stiel.
Das
wär's für heute. In meinem nächsten und letzten
Brief über die Täublinge werde ich Dir einige Russula-Arten
vorstellen, die in zwei verschiedenen Farben vorkommen können.
Schliesslich reden wir noch von den Weiss- und Schwarztäublingen.
Mit
den besten Grüssen
Dein
Xander
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Grünfelderige Täubling - Russula
virescens |
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