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Xanders
achtzehnter Brief
Lieber Jörg
In
Deinem letzten Brief klagst Du Dein Leid über die Täublinge.
Sie wären gewiss schöne und wohl auch interessante
Pilze, jedoch sehr variabel und grösstenteils unbestimmbar.
Und darum würdest Du die ganze Sippe endgültig an
den berühmten Nagel hängen. -Zwar begreife ich Deinen
Ärger -Täublinge sind schwierige Gesellen!
Trotzdem versuche ich, Dir zu helfen und hoffe damit, Dein
Interesse an ihnen doch wieder zu wecken. Um die Täublinge
- die Russulae - mit Erfolge zu bestimmen, musst Du wohl oder
übel sechs Punkte beachten. So bringst Du nämlich
System in die Artenfülle hinein und bannst die Verwechslungsgefahr
unter den vielen, sich wirklich recht ähnlich sehenden
Arten:
1.
Standort: Wie übrigens bei allen andern Pilzen,
ist auch bei den Täublingen die Erfassung des Standortes
von grosser Bedeutung. Beobachte, in welchem Waldtyp der Fruchtkörper
wächst, unter welchem Baum er steht. Die Täublinge
gehen nämlich eine Ernährungsgemeinschaft (Mykorrhiza)
mit Gehölzen ein. Ist der Boden mehr oder weniger trocken,
oder entwickelt sich der Pilz in moorigem Gebiet? Wenn du
noch die Bodenreaktion bestimmen kannst und herausfindest,
ob es sich um Kalkboden oder aber um kalkfreien Silikatboden
handelt, so ist das eine wertvolle Aussage, haben wir doch
bei den Täublingen verschiedene «Bodenzeiger-Arten».
2.
Geschmack: Eine Zungenprobe ist unumgänglich,
um festzustellen, ob Du einen scharfschmecken den oder einen
milden Täubling vor Dir hast. Diese Unterteilung ist
ein bedeutender Scheideweg, der auch in verschiedenen Bestimmungsschlüsseln
berücksichtigt wird. Sie erleichtert sehr die Bestimmungsarbeit.
Die «Faustregel», dass scharfe Täublinge
giftig, milde aber essbar sind, ist mehr oder weniger richtig,
darf aber niemals auf die übrige Pilzflora angewendet
werden, gibt es doch viele tödlich giftige Pilzarten,
die mild schmecken. Schlag Dir darum solche «Regeln»
besser aus dem Kopf.
3.
Geruch: Die Nase gibt uns wertvolle Hinweise. Typische
Gerüche, wie z. B. nach Fisch, Zedernholz, Mirabellen,
Geraniumblätter, Jod oder Bienenhonig können artspezifisch
sein. Merke Dir: Beim Antrocknen eines Täublings kommen
die Gerüche stärker zur Geltung.
4.
Farbe des Sporenstaubs: Unerlässlich für
eine richtige Bestimmung ist die Feststellung der Sporen staubfarbe.
Fehler in diesem Punkt führen Dich unweigerlich auf eine
falsche Fährte. Nur ausgewachsene Fruchtkörper mit
reifen Sporen bringen ein brauchbares Resultat. Noch junge,
halbgeschlossene Exemplare sind für eine sichere Bestimmung
unbrauchbar. Wohl verrät die Farbe sporenreifer Lamellen
ziemlich genau den Farbton des Sporenstaubs. Es braucht dazu
etwas Erfahrung. Exakte Resultate ergibt aber nur ein Sporenniederschlag
auf einem weissen Papier oder auf Glas. Die Gattung Russula
besitzt eine beachtliche Farbskala von Sporenfarben, die von
weiss, creme, hellocker, sattocker bis dottergelb reicht.
5.
Die Verfärbung des Fleisches: Täublinge
können schwärzen, röten, gilben, bräunen
oder grauen, und dies sind wichtige Hinweise für die
Bestimmung. Beachte auch die Konsistenz des Fleisches, ob
es hart oder weich ist. Merke Dir aber: alle Täublinge
weisen brüchiges Fleisch und brüchige Lamellen auf,
weil darin Nester von kugeligen Zellen (den Sphaerozysten)
eingestreut sind. Ausnahmen, auf die ich in meinem nächsten
Brief zurückkommen werde, bestätigen die Regel.
Eine Bruchstelle des Fleisches ist nie faserig oder glatt,
sondern erinnert ein wenig an das entzweigebrochene Isoliermaterial
«Wannerit».
6.
Chemische Reaktionen: Reagenzien an verschiedenen
Stellen frischer Fruchtkörper angebracht bringen oft
wertvolle Bestimmungshilfe. Die wichtigsten Reagenzien sind
Sulfovanillin, Ammoniak, Eisensulfat und Guajak-Tinktur. Über
deren Wirkung werde ich dir später berichten.
Mit
Hilfe der Punkte 1-6 kann wohl manche Art makroskopisch bestimmt
werden. Doch die Täublinge sind hinterhältiger!
Sie haben die Eigenschaft, innerhalb der Art recht verschiedenfarbig
zu sein und täuschen auch leicht eine andere Art vor.
Da hilft nur das Mikroskop. Wer dieses Instrument beherrscht,
hat entscheidende Vorteile in der Bestimmung. Da fast jede
Täublingsart eine charakteristische Sporenornamentation
besitzt, ist dies ein sehr wertvolles Bestimmungsmerkmal,
welches manchen Irrtum aufdeckt und eine unsichere Bestimmung
zu einer sicheren werden lässt. Einen Glücksfall
hat uns die Natur geschenkt, indem die Russulasporen nicht
amyloid sondern mehr oder weniger hyalin sind. Ihre Ornamentation
hingegen, also die Warzen und Vergratungen auf der Sporenoberfläche
verfärbt sich in Melzer-Reagens deutlich blau-schwarz,
ist also amyloid. Die Sporen heben sich daher gut sichtbar
vom Hintergrund ab. Es ist wesentlich, nur reife Sporen zu
beobachten. Um solche zu erhalten, legt man den Fruchtkörper
sorgfältig auf einen Objektträger. In einigen Minuten
sind bereits genug Sporen zur Beobachtung abgelagert worden.
Einen kleinen Tropfen Melzer-Reagens sorgfältig
daraufgeben, Deckglas darüber und in Oelimmersion untersuchen.
Dass man zugleich die Sporengrösse misst, ist selbstverständlich.
Man braucht das Mikroskop aber auch, um die Huthaut zu untersuchen.
Die Formen der Hyphenelemente und Endhyphen sowie der zum
Teil charakteristischen Huthautzystiden (Dermatozystiden)
sind vielfach für eine exakte Artbestimmung entscheidend.
Als
unentbehrliche Bestimmungsliteratur empfehle ich: Romagnesi,
«Les Russules d'Europe et d'Afrique du Nord»,
sowie Einhellinger: «Russula in Bayern». In diesen
Werken findest du neben einer exakten Artbeschreibung auch
aussagekräftige mikroskopische Skizzen.
Im
nächsten Brief beschreibe ich dir einige bekanntere,
im Aspekt aber ähnliche Arten, damit du die Probleme
mit den Täublingen besser erkennen kannst. Bis dahin
viel Mut und beste Grüsse
Dein Xander
P.S.
Es existieren zwei
einfache Techniken, welche eine grobe aber getreuliche Auswertung
der Säure- Basen-Verhältnisse eines Bodens ermöglichen.
Die erste besteht darin, auf ein Bodenmuster einige Tropfen
einer verdünnten Lösung (etwa 5%) von Salzsäure
(HCl) zu träufeln. Bei einem Kalkboden (basisch) bildet
sich ein Aufbrausen infolge Entweichen von Kohlensäure
(CO2). Jedoch passiert nichts, wenn der Boden sauer ist.
Die zweite Technik
besteht darin, ein pH-Wert Testpapier (MERK) zu verwenden,
welches man sich aus einer Drogerie, mit der nötigen
Anleitung dazu, beschaffen kann.
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RUSSULA
Querschnitt
einer Lamelle
A
Sphaerocysten
B
Basidien mit 4 Sporen
C
Basidien, die ihre Sporen abgeworfen haben
D
Junge Basidien (Basidiolen)
E Zystiden
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Endhyphen
der Hutoberfläche
F
Dermatozystiden
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N.B.
Um Dermetozystiden beobacnten zu können, muss man
ein Stückchen der Hutoberfläche mit SV (Sulfovanillin)
oder SBA (Sulfobenzaldehyd) reagieren lassen. Im Innern
der Dermatozystiden erscheinen alsdann winzige schwarze
Granulationen.
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Antworte
auf die Testfragen zum Grünen Knollenblätterpilz
(Siehe 17. Pilzbrief)
Folgende Aussagen sind richtig: 2,3,8,10,12,14,17,18,21,23,25,28,33,34,36,38
und vielleicht auch 40. Alle andern Aussagen sind falsch.
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