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Schweiz Toxikologisches Informationszentrum
MED. PRACT. KATHARINA SCHENK-JÄGE
Das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum (STIZ, Tox-Zentrum) verzeichnete im Jahr 2007 insgesamt 446 Anfragen zu Pilzen. Bei 248 Anfragen war die Pilzart bekannt, bei 198 der Pilz nicht oder nicht sicher identifiziert. In 356 Fällen hatte eine Exposition stattgefunden, in 90 Fällen handelte es sich um Anfragen theoretischer Natur. Dabei ging es besonders um Zubereitungsarten oder um Fragen zur Geniessbarkeit eines Pilzes. 2007 bewegte sich die Anzahl Anrufe aufgrund einer Exposition im Bereich des langjährigen Mittels, während 2006 überdurchschnittlich viele Anfragen beim Tox-Zentrum eingingen.
Der Anteil Expositionen mit identifizierten Pilzen (147) ist immer noch deutlich geringer als derjenige mit nicht bestimmten (197). Bei den nicht bestimmten Pilzen handelte es sich oft um selbstgesammelte, nichtamtlich kontrollierte Pilze, welche zu Mischgerichten verarbeitet wurden. Bei den identifizierten Pilzen stammten die Pilze entweder aus dem Handel oder wurden durch einen Fachmann/Fachfrau bestimmt (amtliche Pilzkontrolle oder Notfalldiagnostik). In keinem Fall wurde in amtlich kontrolliertem Sammelgut nachträglich ein Giftpilz gefunden.
Von den 356 Anfragen nach einer Exposition stammten 229 Anfragen aus dem Publikum. Bei diesen Anfragen wird die abschliessende Beurteilung direkt am Telefon durchgeführt. Deshalb liegen uns in diesen Fällen in der Regel keine Rückmeldungen vor. In 85 Fällen wurde aufgrund einer ärztlichen Anfrage um ein Verlaufsbericht gebeten. Eingegangen sind 48 Rückmeldungen, bei denen die Symptomatik auf den Pilzkonsum zurückgeführt werden konnte.
14 Patienten zeigten keine Symptome. In 21 Fällen wurden leichte Symptome, insbesondere des Verdauungstraktes gemeldet. Es kam zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall kurz (innerhalb 1-3 Stunden) nach der Pilzmahlzeit, involvierte Pilzarten waren Steinpilz (Boletus edulis), Zuchtchampignon (Agaricus bisporus), Nebelgrauer Trichterling (Clitocybe nebularis), Grünblättriger Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare), und Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides), sowie Fliegenpilz (Amanita muscaria).
Elf Patienten mussten mit mittelschweren Symptomen im Spital behandelt werden. Dabei handelte es sich vor allem um therapiebedürftige, schwere Magendarmstörungen nach Konsum von Hallimasch (Armillaria mellea), Steinpilz (Boletus eduliss) und nicht näher bestimmten Röhrlingen. In einem Fall kam es zu Symptomen des zentralen Nervensystems, unter anderem mit Schweissausbrüchen und Sehstörungen nach Genuss von Risspilzen (inocybe sp.). Unter diesen mittelschweren Fällen befand sich auch die einzige Patientin, bei welcher Amatoxin nachgewiesen wurde. Die 64-jährige Frau erholte sich ohne Folgen von der Vergiftung.
2007 wurden lediglich zwei Fälle mit schwerem Verlauf registriert. Im einen Fall kam es bei einer 54-jährigen Frau nach Genuss eines Mischgerichtes aus unkontrollierten Pilzen zu heftigem brechdurchfall mit schwerem Flüssigkeitsverlust und einem leichten, reversiblen Leberschaden. Amatoxin konnte nicht nachgewiesen werden, die Identifikation des verursachenden Pilzes gelang trotz Mikroskopie nicht.
Im zweiten Fall wurden ebenfalls unkontrollierte Pilze verzehrt. Drei Stunden später kam es zu Herzrasen, Seh- und Sprachstörungen und trockener Mundschleimhaut. Weiter entwickelte die 50-jährige Patientin Wahnvorstellungen, Angstzustände, eine verzerrte Körperwahrnehmung und ein Kribbeln am ganzen Körper. Innerhalb von 24 Stunden bildeten sich die Symptome vollständig zurück. Aufgrund der Symptome und der Zeitverhältnisse musste von der Einnahme eines psilocybinhaltigen Pilzes ausgegangen werden.
Dem Verbandstoxikologen Dr. med. R. Flammer wurden insgesamt 22 Vergiftungsfälle gemeldet. Etwa die Hälfte davon wurde ebenfalls im Tox-Zentrum registriert. Besonders eindrücklich ist der Fall eines 65-jährigen Mannes, welcher nach Genuss eines Gerichtes mit getrockneten Steinpilzen aus China eine schwere Entzündung der Mundschleimhaut erlitt. Diese konnte auf Pflanzenbestandteile (Araceengewebe) zurückgeführt werden, mit welchen die Steinpilze kontaminiert waren. Die Heilung verlief äusserst schleppend mit nur langsamer Besserung innert 14 Tagen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum und dem Verbandstoxikologen ist enorm wertvoll. Zum einen entsteht so ein genaueres Bild der effektiven Pilzvergiftungen in der Schweiz. Zum anderen führt der Wissensaustausch zu einer noch kompetenteren Beratung von Laien und Fachleuten im Falle von vermuteten oder nachgewiesenen Pilzvergiftungen.
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