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Schon der Kaiser Julius Caesar mochte ihn
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Der Kaiserling in Küttigen – Seltener Fund
Pilze sind launische und geheimnisumwobene Wesen der Natur. In manchen Jahren lassen sich gewisse Arten kaum blicken und in einem der nächsten schiessen sie nur so aus dem Boden. In Küttigen konnte erstmals der nördlich der Alpen seltene Kaiserling gefunden werden.
Durch das in den letzten Wochen feuchtwarme Wetter ist eine artenreiche Pilzflora in verschiedenen Regionen der Schweiz zu beobachten. Von der grossen Schwemme an Schwämmen ist aber im Kanton Aargau noch nichts zu bemerken. "Hier ist es zur Zeit relativ trocken und die Pilze erscheinen nur spärlich", sagen Heidi und Koni Schibli, die Pilzkontrolleure aus Baden. Auch die Kontrolltätigkeit halte sich etwa im Rahmen der letzten Jahre. Trotzdem konnte in den letzten Tagen die Pilzfachfrau Margrith Montalta in Küttigen den erstmaligen Fund eines seltenen Kaiserlings melden. Gefunden wurde das Prachtexemplar, mit einem Hutdurchmesser von 25 Zentimetern, an einem Wegrand im Fluewald unter Rotbuchen. "Der Fundort lag zwischen einer römischen Siedlung und einem römischen Gutshof, gemäss Küttiger Chronik von Alfred Lüthi", sagt die Expertin Margrith Montalta.
In der Küche geschätzt
Der Kaiserling (Amanita caesarea, vom lat. caesareus = kaiserlich) ist eine Pilzart die vorwiegend an wärmebegünstigten Standorten – vor allem südlich der Alpen – in Symbiose mit Kastanien vorkommt. Schon zu Zeiten von Kaiser Julius Caesar war er bekannt als ein in der Küche beliebter Speisepilz. Daher traf man die Delikatesse des öfteren auf den Speisezetteln der alten Römer an; auch heute noch ist der Kaiserling in der Gastronomie – vor allem in Italien – hoch geschätzt. Es wird vermutet, dass der Kaiserling nördlich der Alpen durch die römischen Heere auch in die Schweiz eingeschleppt wurde, da er hier vorwiegend entlang der alten Heeresstrassen gefunden wird. Wie Beatrice Senn-Irlet, Projektleiterin "Kartierung Pilze der Schweiz", von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) auf Anfrage bestätigt, ist die Pilzart im Laufe der letzten 50 Jahre nördlich der Alpen stark rückläufig. Unter anderem deshalb, weil der Bestand der Edelkastanie in unseren Regionen erheblich zurückgegangen ist. Die Pilzart erscheint aber auch in Symbiose mit der Eiche (nahe Verwandtschaft mit der Edelkastanie) und seltener mit der Rotbuche.
Typische Merkmale des Kaiserlings
Er hat einen intensiv orange bis rot gefärbten Hut, der selten weisse Hüllreste aufweist. Der Hutdurchmesser kann 7 bis 25 Zentimeter erreichen. Seine Lamellen und der Stiel mit dem gerieften Ring sind von zitronen- bis goldgelber Farbe. Beim Kochen des Pilzes geht die Farbe der Lamellen und des Stiels ins Kochwasser und verleiht so beispielsweise dem Risotto eine safranähnliche Farbe. Die Stielbasis ist in einer weissen sackartig-lappigen Scheide eingepfropft. Das Fleisch ist weiss bis leicht gelblich. Der Geruch ist angenehm und der Geschmack mild, nussartig.
Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht höchstens mit dem giftigen Fliegenpilz. Diese Art unterscheidet sich jedoch durch die bleibend weissen Lamellen sowie dem weissen Stiel ohne die sackartig-lappige Scheide an der Basis.
Ein stattliches Exemplar eines Kaiserlings (Amanita caesarea), erstmals gefunden bei Küttigen im Fluewald.
Foto: Peter Montalta
Verbreitungsatlas Pilze der Schweiz und Rote Liste
In der Schweiz sind über die Brutvögel und grösseren Säugetiere gute Kenntnisse vorhanden, während Pilze zusammen mit zahlreichen Gruppen der niederen Tiere (Spinnen, Käfer, usw.) zu den sehr schlecht erfassten Organismen gehören. Landesweit zählt man heute rund 5500 verschiedene Pilzarten. Angaben über die Artenvielfalt, geographische Verbreitung, ökologische Ansprüche, etc. der Höheren Pilze fehlen aber.
Verschiedene eidgenössischen Gesetze verpflichten den Bund für die Einhaltung der einheimischen Arten zu sorgen. Der Vollzug der eidgenössischen Gesetzgebung ist jedoch nur möglich, wenn Bestandesaufnahmen – auch von Pilzen – vorhanden sind. "Die in den letzten Jahren gesammelten Pilzdaten stammen zum grössten Teil von freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der ganzen Schweiz", sagt Beatrice Senn-Irlet, Projektleiterin der WSL. Ziel der zeitintensiven Bestandesaufnahmen ist die Erhaltung der Artenvielfalt der Pilze für einen gesunden Wald. Aus den Resultaten sollen eine Pilzdatenbank als Grundlage für eine Rote Liste und ein Verbreitungsatlas entstehen. Der Verbreitungsatlas der Pilze der Schweiz wird ständig aktualisiert und ist unter www.swissfungi.ch einsehbar.(hpn)
Hans-Peter Neukom
Fundkarte des Kaiserlings: Rosa sind Funde von 1920 bis 1980 und rot sind Funde von 1981 bis 2002.
Grafik: WSL